Adam Grudziński

Sonstiges ·

Ein Songbook fürs Tablet, das ich mehrmals neu geschrieben habe

Angefangen hat es mit einer einzigen HTML-Datei vor den Zaduszki Literackie, am Ende stand eine App mit automatischem Scrollen im Tempo des Songs, Transponieren, Setlisten und Offline-Betrieb. Unterwegs sind mehrere Songbooks fürs Tablet entstanden, jedes für eine etwas andere Art von Auftritt.

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Wer auf Konzerten mit Texten und Akkorden vor sich spielt, kennt das Problem. Der Ordner mit den Ausdrucken wird mit jedem neuen Stück dicker, mitten im Spielen muss man umblättern, und wenn der Sänger eine andere Tonart möchte, schreibt man die Akkorde von Hand um, am besten am Tag vor dem Konzert. Ein Tablet auf dem Notenständer löst die meisten dieser Probleme, vorausgesetzt, darauf läuft etwas, das versteht, wie Spielen auf der Bühne aussieht.

Fertige Songbook-Apps gibt es genug, aber ich wollte eine, in der ich alles nach meinen Vorstellungen einrichte, also habe ich eine eigene gebaut. Und danach noch eine und noch ein paar mehr, weil jeder Auftritt etwas andere Anforderungen hatte.

Die erste Version für die Zaduszki

Das erste Songbook entstand Ende Oktober 2025, vor den Zaduszki Literackie, einer Reihe literarisch-musikalischer Abende rund um Allerseelen. Es war eine einzige HTML-Datei, in der alles steckte: Texte, Akkorde, Aussehen und Logik. Von Anfang an war es außerdem eine PWA, also eine Website, die man auf dem Tablet wie eine normale App installiert und die ohne Internet funktioniert, weil sie alles, was sie braucht, bei sich speichert.

Schon nach einer Woche war die eine Datei zu groß, um darin noch bequem etwas zu ändern, also habe ich sie in einzelne Dateien für Styles, Logik und Daten aufgeteilt. Im Laufe des Novembers kamen Dutzende weitere Verbesserungen hinzu. Jedes Stück bekam ein gespeichertes Tempo und automatisches Scrollen, das den Text im Rhythmus des Songs weiterschiebt, dazu Transponieren per Knopfdruck und eine eigene Schriftgröße. Außerdem kamen Tabulaturen hinzu, die man sich anhören kann, und sogar ein Import von Guitar-Pro-Dateien und von einfachen Tabs im Textformat.

Weitere Songbooks

Im Dezember entstand aus demselben Code ein Songbook mit Weihnachtsliedern. Im März habe ich etwas ganz anderes gebaut: einen Setlist-Navigator fürs iPad, um aus den Originalblättern zu spielen statt aus abgetippten Texten mit Akkorden. Er zeigt PDFs und Fotos in der Reihenfolge des Konzerts, blättert per Wischgeste weiter, hat die Playbacks griffbereit und einen Vollbildmodus, in dem nichts von den Noten ablenkt.

Scena: die Version, die geblieben ist

Von April bis Juni entstand die Version, die ich einfach „scena“ genannt habe, also „Bühne“. Das ist ein Songbook für das ganze Repertoire, heute mit 95 Stücken, und so gebaut, dass man während des Spielens nichts suchen muss. Das automatische Scrollen hat mehrere Tempostufen, von sehr langsam bis sehr schnell, und stoppt, wenn man auf den Bildschirm tippt. Der Bildschirm geht mitten im Stück nicht aus, und abends kann man auf ein dunkles Design umschalten, das einen vom Notenständer aus nicht blendet.

Die Stücke lassen sich zu Playlists und Setlisten zusammenstellen und als Liste oder in Spalten ansehen. Auf der Tastatur wechseln die Pfeiltasten zwischen den Stücken, und die Leertaste startet das automatische Scrollen. Im Juni kam auch hier das Transponieren der Akkorde dazu. Neue Stücke füge ich im Admin-Bereich hinzu, der die ganze Sammlung als eine Datei veröffentlicht, und die App auf dem Tablet merkt selbst, dass es eine neue Version gibt, und bietet an, sie herunterzuladen. Zum Abtippen von Texten aus Screenshots gibt es eine Texterkennung, die direkt auf dem Gerät läuft, ohne irgendetwas ins Netz zu schicken.

Das Songbook scena auf dem Tablet: links die Liste der Stücke, Akkorde über dem Text, eine Leiste mit Tempo und Transponieren
Scena auf dem Tablet: links die Liste der Stücke, über dem Text eine Leiste mit Schriftgröße, Transponieren, Tempo und automatischem Scrollen. Den Liedtext habe ich absichtlich unscharf gemacht.

Was schiefging

Das größte Problem war ausgerechnet das, was der größte Vorteil sein sollte: der Offline-Betrieb. Eine PWA legt ihre Dateien im Speicher des Tablets ab und lädt sie beim nächsten Start genau von dort. Nach einem Update konnte das Tablet deshalb noch lange die alte Version anzeigen. Am Ende bekam der Admin-Bereich einen Knopf, der das Laden frischer Dateien erzwingt.

Die anderen Probleme waren weniger spektakulär. Das Textlayout in Spalten verrutschte in einem Browser, und beim Aufräumen des Repertoires stellte sich heraus, dass ich über fünfzig Stücke doppelt hatte. Um nicht alles von Hand auf dem Tablet prüfen zu müssen, habe ich einen Test in Playwright geschrieben, einem Werkzeug, das einen Browser ohne menschliches Zutun steuert. Der Test öffnet das Songbook in iPad-Bildschirmgröße, hochkant und quer, und macht von jeder Ansicht einen Screenshot, damit ich mir alle auf einmal ansehen kann.

Was ich daraus gelernt habe

Jedes dieser Songbooks fing mit einem konkreten Auftritt an: den Zaduszki, Weihnachten oder einem Konzert mit Originalblättern. Erst als mehrere solcher Versionen nebeneinander standen, war zu sehen, was sie gemeinsam haben und was nur ein einziges Mal gebraucht wurde, und daraus ist scena entstanden. Meine Schlussfolgerung: Man muss nicht sofort eine App für jeden Anlass bauen. Besser, man macht etwas Kleines für einen Auftritt, spielt damit ein Konzert und weiß erst dann, was wirklich fehlt.