Die Zaduszki Literackie, eine Reihe literarisch-musikalischer Abende rund um Allerseelen, gehören für mich fest zum November. Jedes Jahr spielen wir mit der Band mehrere Konzerte in Kirchen und Kulturzentren, und sie laufen alle ähnlich ab: hinfahren, Technik aufbauen, Soundcheck, Konzert, danach alles wieder einpacken und nach Hause fahren. Auf dem Papier sind das ein paar Abende, in Wirklichkeit ein ganzer Monat, in dem nach der Arbeit für nichts anderes mehr Zeit bleibt.
Aus dem Publikum wirkt ein Konzert meist ruhig und gut organisiert, und genau so soll es auch wirken. Von der Bühne aus glichen die Zaduszki in diesem Jahr eher einem Hindernisparcours. Deshalb schreibe ich diesmal über das, was das Publikum nicht sieht.


Proben nach der Arbeit
Die Vorbereitung beginnt lange vor dem ersten Konzert. Das Programm muss man gemeinsam einspielen, Tonarten, Einsätze und Schlüsse festlegen und dann so lange üben, bis man nicht mehr darüber nachdenkt und sich aufs Spielen konzentrieren kann. Die Proben liegen abends, nach einem ganzen Arbeitstag, und wir waren meistens erst spät fertig.
Bei der Vorbereitung habe ich mir dieses Jahr ein Songbook fürs Tablet gebaut. Zu jedem Stück ist dort das Tempo hinterlegt, der Text scrollt von selbst, und die Akkorde lassen sich mit einem Knopfdruck in eine andere Tonart transponieren, ohne dass man das Blatt neu abschreiben muss.
Fahrten und Heimwege mitten in der Nacht
Die Konzerte finden an verschiedenen Orten statt, und jedes bedeutet, mit der ganzen Ausrüstung hin- und zurückzufahren. Nach dem Konzert muss noch alles abgebaut und eingepackt werden, sodass man meistens mitten in der Nacht nach Hause kommt. Am nächsten Morgen wartet die ganz normale Arbeit, als wäre am Abend nichts gewesen.
So einen Rhythmus hält man ein paar Wochen lang durch, und das ist an den Zaduszki wohl das Anstrengendste. Das Spielen selbst macht Freude, den ganzen Rest muss man einfach stemmen.
Die Gitarre, die mir von der Schulter fiel
Ein Straplock ist ein kleiner Verschluss, der den Gurt an der Gitarre hält, und man denkt überhaupt nicht an ihn, solange er funktioniert. Bei einem der Konzerte hat er mitten im Spielen nachgegeben, und die Gitarre ist mir von der Schulter gefallen.
In der Probe kann man abbrechen und von vorn anfangen, im Konzert geht das nicht. Da hieß es: weiterspielen.
Gerissene Saite, Gitarrenwechsel
Ein anderes Mal ist mir eine Saite gerissen. Sie während des Konzerts zu wechseln kommt nicht in Frage: Das dauert ein paar Minuten, und eine neue Saite dehnt sich noch lange und verstimmt sich. Zum Glück hatte ich eine Ersatzgitarre dabei, der Wechsel dauerte nur einen Moment, und das Konzert ging weiter.
Eine Ersatzgitarre wirkt manchmal wie übertriebene Vorsicht, vor allem wenn man sie jedes Mal tragen, einpacken und aufbauen muss. An diesem Abend wirkte sie nicht mehr so.
Gut zehn Sekunden im Blindflug
Der Monitor ist das, was wir Musiker auf der Bühne hören: das eigene Instrument, den Gesang und den Rest der Band. Ohne ihn spielt jeder ein bisschen im Dunkeln, weil die Beschallung aufs Publikum gerichtet ist und nicht auf uns. Am dringendsten braucht ihn der Schlagzeuger, der für die ganze Band das Tempo hält.
Bei einem Konzert fiel dem Schlagzeuger mitten im Stück der Monitor aus. Gut zehn Sekunden lang haben wir praktisch blind gespielt: Er hörte den Rest der Band nicht, und wir versuchten, sein Tempo zu halten und nicht auseinanderzulaufen. Irgendwie haben wir es hinbekommen.
Mich selbst hat mein eigener Monitor regelmäßig im Stich gelassen. Er war kabellos und verlor immer wieder einfach die Verbindung, und bei den Soli habe ich mich sehr oft überhaupt nicht gehört. Da habe ich eben nach Gefühl gespielt.
Was bleibt
Vom Publikum aus sahen die meisten dieser Pannen vermutlich nach einer Kleinigkeit aus oder fielen gar nicht auf. Auf der Bühne erinnerte jede an dasselbe, was einem keine Probe beibringt: Das Konzert geht weiter, egal was passiert, und in so einem Moment ist für nichts anderes Platz als fürs Spielen.
Nach diesen Konzerten habe ich die Straplocks ausgetauscht und achte vor dem Auftritt genauer auf den Gurt. Dass mir die Gitarre einmal von der Schulter gerutscht ist, reicht.

