Adam Grudziński

Radfahren ·

Durch Deutschland ans Meer, durch Polen nach Hause

Drei Tage, etwa 300 Kilometer und ein Zelt, das neben dem Proviant aufs Rad passte. Den Schlafsack hatte ich allerdings vergessen. Meine Runde ums Stettiner Haff, mit Wind, Holperwegen und einem McDonald’s-Frühstück statt Schwimmbad.

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Wenn ich den Kopf freibekommen muss, setze ich mich aufs Fahrrad. Vor zwei Jahren habe ich mir eine Strecke ausgedacht, die sich in einem Satz beschreiben lässt: Ans Meer fahre ich durch Deutschland, zurück durch Polen. Start und Ziel in Dobra bei Szczecin, dazwischen zwei Übernachtungen und eine ganze Runde um das Stettiner Haff.

Es wurden etwa 300 Kilometer in drei Tagen, so weit wie nie zuvor auf einer einzigen Tour. Zelt, Proviant und Wasser hatte ich untergebracht, in der Hinsicht war ich also vorbereitet. Beim Schlafsack sah es anders aus: Den hatte ich schlicht vergessen. Es war Anfang September, die Nächte im Zelt waren also kalt, aber ich hatte eine Fleecejacke und habe es irgendwie überstanden.

In drei Tagen ums Haff

Karte der Radrunde: Dobra, Ueckermünde, Anklam, Świnoujście, Goleniów und zurück nach Dobra
Die Runde, nachträglich in Google Maps nachgebaut, ungefähr so, wie ich gefahren bin. Die Karte kommt auf 251 km, aber an einigen Stellen habe ich andere Wege genommen als die Navigation, also waren es in den Beinen mehr.

Am ersten Tag bin ich in Dobra losgefahren und habe mich hinter der Grenze nach Westen Richtung Ueckermünde gehalten. Weiter ging es am Stettiner Haff entlang bis nach Anklam, wo ich nach etwa 80 Kilometern die erste Nacht verbracht habe.

Selfie auf der Fähre über die Swine, im Fenster der Hafen von Świnoujście
Auf der Fähre über die Swine in Świnoujście, 5. September 2024.

Am zweiten Tag bin ich von Anklam Richtung Küste aufgebrochen, und unterwegs war auch Zeit für ein Bad im Meer. In Świnoujście war ich wieder in Polen, hatte aber noch die Fähre über die Swine und die Strecke nach Goleniów vor mir. Erst dort endete die zweite Etappe, mit rund 120 Kilometern die längste der drei.

Am dritten Tag blieben etwa 50 Kilometer von Goleniów zurück nach Dobra, mit denen sich die Runde schloss. Drei Tage zuvor kannte ich die Strecke nur von der Karte. Jetzt hatte ich sie vollständig in den Beinen.

Eine Nacht an der Kirche

Eine der Nächte habe ich im Zelt auf der Wiese neben einer Kirche verbracht. Mit Zelt kommt man allerdings nicht so leicht an eine Dusche, und irgendwann muss man sich richtig frisch machen. Geplant war ein ganzes Bad im Schwimmbad, aber ausgerechnet an diesem Tag war es geschlossen. Am Ende gab es ein Frühstück bei McDonald’s, wo ich mir wenigstens das Gesicht waschen und die Zähne putzen konnte. Bei einer dreitägigen Tour stellen sich neben der Frage nach dem Weg eben auch solche Fragen: Wo halte ich an, wo schlafe ich und wo kann ich mich waschen?

Unterwegs war es verdammt windig, und Google Maps schickte mich hartnäckig über furchtbare Wege, durch Felder und Wälder. Die Entfernung war das eine, sie auf diesem Untergrund zurückzulegen etwas anderes. Die Kilometer machten sich bemerkbar, und irgendwann bin ich der vorgeschlagenen Route nicht mehr gefolgt.

Ich habe selbst auf die Karte geschaut und den Weg ausgewählt. Den Unterschied habe ich sofort gemerkt: Die Fahrt wurde deutlich leichter. Das Handy half mir weiterhin dabei, mich zu orientieren. Die Entscheidung, wo ich entlangfahre, habe ich ihm aber nicht mehr überlassen.

Trotz Wind und Holperwegen kam ich wieder in Dobra an, und die ganze Tour, damals meine längste mit dem Rad, habe ich überraschend gut weggesteckt.

Würde ich noch einmal fahren, würde ich die Strecke nicht in Google Maps planen, sondern in Komoot, einer App, die für Radfahrer gemacht ist. Gerade die Navigation hat mir die meisten unnötigen Holperwege beschert. Den Schlafsack würde ich auch einpacken, aber das versteht sich von selbst.