Adam Grudziński

Blutspende ·

Über zwanzig Liter Blut und ein B2-Zertifikat im Anhang

Seit mehr als fünfzehn Jahren spende ich Blut, vor allem in Polen, ein paar Mal auch in Deutschland. Über vier Abzeichen, Schokolade, Medikamente für null Złoty und darüber, wie ich in einer deutschen Klinik beweisen musste, dass mein Deutsch gut genug ist.

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Am 14. Juni ist Weltblutspendetag, also ein guter Anlass, endlich darüber zu schreiben. Im Alltag ist daran nichts Spektakuläres, denn es ist eine Stunde alle paar Wochen, aber in so vielen Jahren haben sich einige Geschichten angesammelt, und manche davon haben sich auf der deutschen Seite der Grenze abgespielt.

Vier Abzeichen, vier Ausweise

Aus allen Terminen sind inzwischen mehr als zwanzig Liter geworden. In Polen bekommen ehrenamtliche Spender ihre Abzeichen in Stufen, für die jeweils nächsten Liter, und zu jedem Abzeichen gehört ein eigener Ausweis. So habe ich vier Abzeichen und vier Ausweise gesammelt, und das letzte Abzeichen, „Zasłużony dla Zdrowia Narodu“ (etwa „Verdient um die Gesundheit der Nation“), habe ich 2025 bekommen. Überreicht wurde es bei einer Gala, auf der Bühne zusammen mit anderen Spendern.

Das klingt ernst, eine besondere Leistung steckt aber nicht dahinter. Man muss nur wiederkommen, sobald die Pause zwischen zwei Spenden vorbei ist, und das fünfzehn Jahre lang durchhalten. Den Rest erledigt der Kalender.

Blutspender mit ihren Abzeichen auf der Bühne vor einer roten WerbewandDas Abzeichen Zasłużony dla Zdrowia Narodu im Etui neben dem vom Gesundheitsminister unterschriebenen Ausweis
Bei der Gala, auf der die Abzeichen „Zasłużony dla Zdrowia Narodu“ überreicht wurden, bin ich der Fünfte von rechts. Darunter das Abzeichen selbst mit Ausweis, das vierte Paar in der Sammlung.

Schokolade, Erdnussbutter und null Złoty in der Apotheke

Nach der Spende bekommt man etwas zur Stärkung. Meistens war es Schokolade, manchmal Erdnussbutter und ein paar Mal ein Frühstück.

Mehr bringt der Ausweis selbst. Damit fahre ich kostenlos mit Bus und Straßenbahn, komme beim Arzt ohne Warteschlange dran, und manche Medikamente bekomme ich in der Apotheke ohne Zuzahlung. Ich will nicht so tun, als wäre das nichts, denn an der Apothekenkasse null Złoty zu zahlen, ist ein richtig schönes Gefühl.

Viele habe ich überredet

Am meisten freut mich aber etwas anderes als Abzeichen und Schokolade. Über die Jahre habe ich versucht, Freunde und Bekannte, aber auch meine Schwester und meine Verlobte zum Blutspenden zu bewegen. Ziemlich viele haben mitgemacht, die beiden eingeschlossen. Ein Abzeichen bekomme ich alle paar Jahre, aber jeder dieser Menschen steht für Liter, die ich allein nie gespendet hätte.

Ein Fragebogen auf Deutsch und Unikliniken

In Deutschland habe ich in Unikliniken gespendet. Den Fragebogen vor der Spende gab es dort natürlich auf Deutsch, und er hat viele Fragen. Man muss jede verstehen, denn von den Antworten hängt ab, ob man überhaupt spenden darf.

Zweimal habe ich dort gegen Aufwandsentschädigung gespendet und dafür, wenn ich mich richtig erinnere, etwa 25 Euro bekommen. Bis es so weit war, habe ich allerdings einen richtigen Zirkus erlebt.

Eine Million Unterlagen und „zu wenig Deutsch“

Am Anfang wollte die Anmeldung, kurz gesagt, eine Million Unterlagen von mir. Beim zweiten Mal kam noch ein weiteres Dokument dazu, von dem vorher niemand gesprochen hatte, und dann hieß es, mein Deutsch sei zu schwach.

Also habe ich alle Unterlagen eingescannt, mein B2-Zertifikat in Deutsch dazugelegt und alles an die Leitung des Blutspendezentrums übergeben. Plötzlich gab es einen Termin für mich, und die Damen an der Anmeldung behandelten mich ganz anders, diesmal mit Respekt.

Das einzige Mal

Es ist der einzige Fall in meinem Leben, in dem ich im Ausland auf Intoleranz und Herablassung gestoßen bin, und das gleich auf so hoher Ebene. Davon abgesehen habe ich Behördengänge in Deutschland eher in guter Erinnerung. Gespendet habe ich am Ende trotzdem, nur war der Weg bis zum Stuhl dort länger als irgendwo sonst.