Genau vor zwei Jahren, am zwanzigsten Januar, bin ich in Düsseldorf in ein Flugzeug nach Málaga gestiegen. Gereist war ich schon vorher, aber immer an einen einzigen Ort oder in Begleitung. Diesmal wollte ich allein mehrere Länder verbinden, von Flugzeug zu Flugzeug umsteigen und alles von Anfang bis Ende selbst planen.
Ich reise gern, und noch lieber versuche ich, mich mit Menschen in ihrer eigenen Sprache zu verständigen. Mit Spanisch habe ich vor einer geplanten Reise nach Chile angefangen, aus der dann nichts wurde, aber das Lernen ist geblieben, und zwei der fünf Stationen dieser Route lagen in Spanien. Ein Polyglott bin ich nicht, am schönsten finde ich aber den Moment, in dem eine Sprache kein Lernstoff mehr ist, sondern einfach für ein Gespräch da ist.
Ein Plan in einer Tabelle
Angefangen hat es mit einer Tabelle, in die ich billige Flüge eintrug: Datum, Uhrzeiten, von wo und wohin und in der letzten Spalte den Preis. Das teuerste Ticket kostete 25 Euro, das billigste 14, und alle Flüge dieser zwei Wochen kosteten zusammen 92 Euro und 7 Cent.
| Datum | Flug | Uhrzeit | Preis |
|---|---|---|---|
| 20.01.2024 | Düsseldorf → Málaga | 16:15–19:15 | 25,00 € |
| 25.01.2024 | Málaga → Barcelona | 21:50–23:25 | 16,98 € |
| 27.01.2024 | Barcelona → Mailand | 13:45–15:35 | 19,09 € |
| 29.01.2024 | Mailand → Valletta | 06:15–08:20 | 14,00 € |
| 03.02.2024 | Valletta → Köln | 17:50–20:45 | 17,00 € |
| Zusammen | 92,07 € | ||
Malta, Marrakesch oder Jordanien
Am längsten habe ich über das Ende nachgedacht. In der Tabelle standen für die letzte Woche zwei Varianten nebeneinander: von Mailand nach Marrakesch oder nach Valletta, in beiden Fällen zurück nach Köln und für sehr ähnliches Geld. Vorher war noch Jordanien im Spiel, aber das fiel wegen des Rückflugs weg, der horrend teuer war.
Bei Marrakesch war es ähnlich, und ehrlich gesagt hatte ich wohl auch ein bisschen Respekt vor einem anderen Kontinent, genau wie bei Jordanien. Es war schließlich meine erste Reise allein durch mehrere Länder, noch dazu mit dem Flugzeug, und so hat am Ende Malta gewonnen.
Málaga
In Málaga bin ich abends gelandet und vom Flughafen mit dem Zug direkt ins Zentrum gefahren, zum Bahnhof Centro-Alameda. In Andalusien habe ich fünf Tage verbracht, einen Teil davon in Málaga selbst. Die Stadt sieht von oben am schönsten aus, von den Ruinen der Festung über dem Hafen, vor allem bei Sonnenuntergang.

Málaga ist die Stadt, in der Pablo Picasso geboren wurde, deshalb begegnet man seinen Werken hier leicht. Ich war auch an der Kathedrale, deren mächtige helle Mauern kaum in ein einziges Bild passen.



Ronda über der Schlucht
Einen Tag habe ich mir für Ronda genommen, ein Städtchen, das auf Felsen zu beiden Seiten der tiefen Schlucht El Tajo gebaut ist. Die beiden Seiten verbindet die Puente Nuevo, eine Steinbrücke aus dem späten 18. Jahrhundert, die von unten aussieht, als würde sie direkt aus dem Fels wachsen.

Die Altstadt ist klein und ruhig. Hier steht die Kirche Santa María la Mayor mit einer hölzernen Galerie an der Fassade, und auf den Plätzen reiften mitten im Winter Orangen.



Gibraltar und das Sikorski-Denkmal
Am vierundzwanzigsten Januar war ich in Gibraltar, einem Zipfel Großbritanniens ganz im Süden der Iberischen Halbinsel. Rote Telefonzellen stehen hier wie in London, und auf dem Felsen leben Berberaffen, die einzigen frei lebenden Affen Europas. Sie setzen sich direkt neben die Touristen auf das Geländer, ein Foto mit einem von ihnen war also kein Problem.



Vom Felsen aus sieht man die Start- und Landebahn des Flughafens und gleich dahinter Spanien. Ganz im Süden, am Europa Point, steht ein Denkmal für General Władysław Sikorski, der 1943 ums Leben kam, als sein Flugzeug beim Start in Gibraltar abstürzte. Oben auf dem Denkmal sitzt ein polnischer Adler.


Caminito del Rey
Am nächsten Tag bin ich den Caminito del Rey gegangen, einen Weg, der an den Wänden der Schlucht Desfiladero de los Gaitanes entlangführt. Jahrelang galt er als einer der gefährlichsten Wege der Welt, aber seit der Sanierung 2015 verläuft er über neue Stege, und jeder bekommt am Eingang einen Helm.



Stellenweise hängen die Stege hoch über dem Fluss am Grund der Schlucht, und man kann direkt an der Felswand hinunterschauen. Am Abend desselben Tages bin ich von Málaga nach Barcelona geflogen.

Barcelona
Barcelona war ein kurzer Halt. Ich habe dort knapp zwei Tage mit einem Freund aus Argentinien verbracht, den ich noch aus Leipzig kannte (über meine Jahre in Deutschland schreibe ich gesondert), und das war der einzige Teil der ganzen Reise, auf dem ich nicht allein war.


Mailand und San Siro
Dem AC Mailand halte ich ungefähr seit 2004 oder 2005 die Treue, noch aus der Zeit von Kaká, Schewtschenko, Paolo Maldini und Gennaro Gattuso. Mit diesen Namen verbinde ich meine ersten Jahre als Milan-Fan, und seit meiner Kindheit wollte ich Milan live im San Siro sehen. In die Route habe ich Mailand gerade wegen des Spiels aufgenommen, außerdem wollte ich noch den Dom sehen.
In Mailand bin ich am Samstagnachmittag gelandet, und am Abend saß ich schon auf der Tribüne. Milan spielte gegen Bologna, die Partie endete 2:2. Einen polnischen Bezug gab es auch: Im Tor von Bologna stand Łukasz Skorupski, und der Spielbericht steht noch auf der Vereinsseite. Einen Sieg habe ich nicht gesehen, aber ich konnte meine Mannschaft endlich in dem Stadion erleben, von dem ich seit den Zeiten der damaligen Spieler geträumt hatte.



Der Sonntag gehörte dem Mailänder Dom, den ich fast genauso gern sehen wollte wie das Stadion. Am Montag um sechs Uhr morgens flog ich schon weiter.


Fünf Tage auf Malta
Auf Malta bin ich am Montagmorgen angekommen und bis Samstag geblieben. Valletta ist klein und aus hellem Stein gebaut, ich konnte die Stadt also zu Fuß ablaufen. Über ihr ragt der Turm der anglikanischen St.-Pauls-Kathedrale auf, von den Mauern fährt der Barrakka-Aufzug hinunter zum Hafen, und vor dem Stadttor steht der Tritonenbrunnen.





Malta ist aber nicht nur jahrhundertealter Stein. Nicht weit von den alten Mauern stehen gläserne Hochhäuser und darunter Parkplätze mit Palmen, und genau diesen Kontrast zwischen klassischer und moderner Bebauung wollte ich auf den Fotos festhalten.


Außerhalb der Hauptstadt bin ich an der Westküste auf Popeye Village gestoßen, ein buntes Dorf, das 1980 als Kulisse für den Film „Popeye“ mit Robin Williams gebaut wurde, und nicht weit davon auf eine Bucht mit Sandstrand und einem Wachturm auf der Landzunge. Die Küste besteht zu einem großen Teil aus Felsklippen, und das Wasser darunter war selbst Anfang Februar türkis.



Wer die Fotos gemacht hat

Da ich allein unterwegs war, bin ich eine Erklärung schuldig, wie ich auf so viele Fotos gekommen bin. Meistens habe ich andere Besucher um Hilfe gebeten, und wenn niemand in der Nähe war, habe ich das Handy an einen Stein gelehnt oder in einen Felsspalt geklemmt und den Selbstauslöser gestellt.
Die beste Zusammenfassung der ganzen Reise sind meine Kühlschrankmagnete: achtzehn Stück aus Gibraltar, Málaga, Barcelona und Mailand.

Am Abend des dritten Februar bin ich in Köln gelandet. Hinter mir lagen zwei Wochen, fünf Flüge, Spanien, Gibraltar, Italien und Malta, und angefangen hatte alles mit einer einzigen Tabelle voller Ticketpreise.

