Adam Grudziński

Planer Operacyjny ·

Planen lernt man nicht in der Vorlesung

Ein Gespräch mit meiner Verlobten brachte mich auf die Idee, den Planer in Lehrveranstaltungen einzusetzen. Die Übung könnte auch eine Studie ermöglichen, die Entscheidungsqualität und mentale Belastung beim selbstständigen Planen und mit KI-Unterstützung vergleicht.

Zum Beitragstext

In Deutschland habe ich jahrelang Pläne gemacht: Schichten in Zeitarbeitsfirmen, die Besetzung in der Produktion, Transporte. Aus dieser Zeit ist mir vor allem eine Überzeugung geblieben, nämlich dass man Planen nicht in einer Vorlesung lernt. Ein Plan sieht gut aus, bis der erste Kunde anruft, der ausgerechnet am Donnerstag nicht kann.

Wie Planer Operacyjny selbst entstanden ist, erzähle ich in einem eigenen Beitrag. Der Studierendenmodus ist eine viel frischere Sache und, ehrlich gesagt, nicht meine Idee. Ich habe mit meiner Verlobten über das Projekt gesprochen, und sie hat als Wissenschaftlerin sofort mehr darin gesehen als ein Programm für Firmen: ein fertiges Labor, etwa für Studierende der Logistik, in dem man dieselben Werkzeuge bekommt, mit denen ein Disponent arbeitet, und dazu ein echtes Problem.

Eine Übung als Ausgangspunkt für Forschung

Ihre Idee ging über den Einsatz im Unterricht hinaus. Zwei Gruppen könnten dieselbe Aufgabe erhalten: Die eine würde die Kalender selbstständig planen, die andere könnte einen KI-Assistenten nutzen. Verglichen würden sowohl die Qualität der Entscheidungen als auch die mentale Belastung während der Arbeit. Der Ablauf und die Ergebnisse könnten später die Grundlage für einen wissenschaftlichen Artikel oder eine ingenieurwissenschaftliche Abschlussarbeit bilden.

Meine Aufgabe ist es, ein Werkzeug bereitzustellen, das den Plan, die Punktzahl und den Arbeitsverlauf festhält. Für die mentale Belastung braucht es eine gesonderte Messmethode; Gruppenzuteilung und Vergleichsbedingungen müssen vor Studienbeginn feststehen. Die Punktzahl beschreibt die Bearbeitung nach den Regeln des Programms. Aussagen über Entscheidungsqualität und die Rolle der KI würden erst eine Auswertung der erhobenen Daten erfordern. Hier beschreibe ich vorerst eine Forschungsidee und noch keine Ergebnisse.

Zwei Labore

Wer die Übung macht, bekommt eine Woche von Montag bis Freitag, ohne konkrete Daten. Es gibt zwei Labore:

  • Physiotherapie. Sechs Physiotherapeuten in der Woiwodschaft Westpommern, hundert Hausbesuche, acht Stunden Arbeit am Tag.
  • Logistik. Sechs Fahrer in ganz Polen und neunzig Fahrten. Für die Übung gilt eine tägliche Lenkzeit von höchstens neun Stunden.

Manche Städte liegen zwischen den Standorten, und es ist nicht offensichtlich, wer dorthin fahren sollte. Zwanzig Besuche sind bereits vereinbart: fünfzehn bei bestimmten Personen, fünf warten im Korb „Nicht zugewiesen“. So sieht ein Montag in einer echten Firma aus.

Das Physiotherapie-Labor: Karte mit Besuchen, sechs Personen in der Legende und links die Ergebnisleiste
Das Physiotherapie-Labor: hundert Besuche auf der Karte von Westpommern, links eine Leiste mit Plan, Punkten und Kollisionen.

Der Kunde sagt nicht sofort, wann er Zeit hat

Darauf baut die ganze Übung auf. Beim Auftrag steht nur eine Notiz wie „am besten vormittags“. Die genauen Zeiten erfährt man erst, wenn man auf „Anrufen“ oder „E-Mail schreiben“ klickt und mit dem simulierten Kunden spricht. Jeder Kunde hat mindestens zwei Zeitfenster. Er nimmt nur einen Termin an, der vollständig in eines davon passt.

Ich wollte, dass die Studierenden spüren, dass Information etwas kostet. Man kann gleich zu Beginn alle anrufen und auf Nummer sicher planen. Man kann auch nach Augenmaß planen und hoffen, dass es gut geht. Beides ist erlaubt, nur kommt jeweils ein anderes Ergebnis heraus.

Punkte

Die Punkte zählt ein Automat, deshalb bekommen zwei Personen mit demselben Plan immer gleich viele.

Was passiertPunkte
Besuch im bestätigten Zeitfenster des Kunden+100
Besuch, der an eine Route angehängt wird, die an diesem Tag ohnehin dorthin fährt+20
Alles komplett: alles eingeplant, ohne Kollisionen und ohne Überstunden+250
Termin außerhalb des Zeitfensters des Kunden−25
Vorschlag, den der Kunde ablehnt−15
Kollision im Plan−40
Jede angefangene Stunde über dem Limit−30

Den Bonus für einen Besuch, der an eine bestehende Route angehängt wird, rechne ich absichtlich nicht zum Maximum. Ein guter Plan kann also mehr Punkte sammeln, als die Aufgabe verlangt, das Ergebnis endet aber trotzdem bei hundert Prozent. Ich wollte nicht, dass jemand dem Bonus hinterherjagt und dafür Besuche in den Zeitfenstern der Kunden opfert.

Zum Schluss gibt es einen Rang. Unter 40 % ist man Praktikant, ab 40 % Disponent, ab 65 % Planer und ab 85 % Meister der Routen.

Das Fenster mit den Regeln der Übungswoche und der Punktetabelle
Die Regeln und die Punktetabelle, die Studierende sehen, bevor sie mit dem Planen beginnen.

Für Lehrende

Studierende legen kein Konto an. Sie geben das Kurspasswort ein, das sie von der Lehrperson bekommen, dazu Vor- und Nachnamen, und schon kann es losgehen. Der Plan wird in ihrem Browser gespeichert. Auf den Server gelangen das Ergebnis und ein Ereignisprotokoll, der Plan selbst erst dann, wenn er an die Lehrperson geschickt wird. Die Lehrperson sieht in ihrem Panel eine Ergebnistabelle der ganzen Gruppe. Sie kann sie exportieren und jedem eine Note mit Kommentar eintragen.

Zu Beginn wählt man eine Untersuchungsgruppe: mit KI-Assistenten oder ohne. Das Protokoll hält dann fest, wie oft jemand den Assistenten gefragt hat und wie lang die Fragen waren, ihren Inhalt aber nicht. So kann man die Ergebnisse beider Gruppen vergleichen, ohne jemandem über die Schulter zu schauen.

In der deutschen Version kann man zwischen einer Karte von Polen und einer von Deutschland wählen. Auf der deutschen Karte spielt die Physiotherapie in Berlin und Brandenburg, und die Logistik hat ihre Standorte in sechs Großstädten.

Wie es weitergeht

Die Übung läuft und lässt sich im Unterricht ohne jede Installation starten. Wenn Sie Kurse in Logistik, Produktionsmanagement oder Arbeitsorganisation geben und das mit Ihrer Gruppe ausprobieren möchten oder ein Thema für eine Studie oder Abschlussarbeit suchen, schreiben Sie mir. Eine Beschreibung für Lehrende finden Sie auf der Seite des Planers.